duoblog von barbara und ulrich

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Nervige Anrufe abgewürgt

Immer wieder HalloPosted by Uli Sat, January 18, 2014 07:47:46
Ein einziges Mal habe ich mich von einem Werbe-Telefonanruf zu einer Bestellung überreden lassen. Das war vor ungefähr vier Jahren. Da meldete sich aus einem Callcenter irgendwo in Norditalien eine weibliche Stimme - deutsch mit rustikalem Italien-Akzent - mit der Empfehlung, ein gaaanz süßes Überraschungspaket, speziell für meinen verwöhnten Gaumen, zu ordern. Weil ich tatsächlich eine Schwäche für die Pasta-Küche südlich der Alpen habe und an dem Tag guter Laune war, zudem mein Girokonto ausnahmsweise im Plus stand, lauschte ich der unbekannten Italienerin bis zum Ende des Palavers. (Heimlicher Gedanke dabei: Ich werde auch Ba, die beste aller Ehefrauen, mit Italo-Spezialitäten beeindrucken können).

Kurze Zeit später kam das Paket. Na ja, der Inhalt war hübsch zusammengestellt. Aber die Teigwaren (natürlich aus Hartweizengries und nicht die von Birkel) hätte ich auch wesentlich preisgünstiger im Aldi- oder Netto-Supermarkt kaufen können, Tomaten, Gorgonzola und geriebenen Parmesan-Käse ebenso.

Als das nette Italiano-Callcenter sich später wieder meldete und wissen wollte, ob es mir geschmeckt hat (Ja, aber ...) und mich noch mal überreden wollte, ein spezielles Überraschungspaket zu ordern, wurde ich sanft aber energisch.

"Vielen Dank für Ihre Angebote", säuselte ich, aber da gebe es einen Punkt. "Nanu, sind nicht zufrieden? Machen alles, was wollen." Das klang schon wieder nicht nach einem Callcenter in der Toskana, sondern nach einem in Bangladesh.

"Also - streichen Sie mich von der Liste", sagte ich betont höflich. "Ich möchte nichts weiter kaufen. Löschen Sie einfach meine Telefonnummer in Ihrem System." Nach einigem fruchtlosen Hin und Her legte ich einfach den Hörer auf.

Nach drei Monaten sah ich auf dem Display meines Telefons, dass sich eine ausländische Nummer mehrmals auf der Anrufliste verewigt hatte. Erfreulicherweise in meiner Abwesenheit. Doch im Anrufbeantworter gab es keine Meldung.

Aha, dachte ich, der Sekundenzähler des Callcenter-Systems ist so programmiert, dass er die Verbindung sofort abbricht, damit nicht Leitungsentgelte zu zahlen sind.

Der Anrufautomat ließ sich pünktlich in jedem Quartal mit mir verbinden. Ich ignorierte ihn. Er glaubte mir nicht, dass ich nichts mehr bestellen würde. Er war überzeugt, irgendwann würde ich es doch wieder tun.

Nun bin ich aber umgezogen in meine "neue Bude unterm Dach". Dabei habe ich die bisherige Telefon-Nr. mitgenommen zur neuen Steckdose. Das hat Extra-Gebühren gekostet, aber so bin ich eben. Ordnung und Verlässlichkeit müssen sein.

Neulich mittags - ich denke nichts Arges und begucke aus dem Dachfenster, wie die Wolken ziehen - schrillt es plötzlich durchdringend. Ein Blick aufs Display des Telefon-Mobilteils: Die Italianos sind wieder dran, möchten ein neues Paket schicken.

Ich drücke die Taste "Anruf ablehnen". Zehn Minuten Ruhe, dann schrillt es wieder. Was soll ich machen gegen ungebetene Anrufe, die ein Automat unermüdlich anzuknüpfen versucht. Eine halbe Stunde geht das so. Falls ich auf Empfang stelle, habe ich die Callcenter-Stimme im Ohr. Unterdrücke ich den Kontakt per Taste, schrillt das Ding wenig später. Ein aussichtsloser Kampf... Drei Tage geht das so, pünktlich im schönsten Mittagsschlummer, während über mir die Wolken ziehen.

Am vierten Tag hatte ich DIE IDEE. Hallo, dachte ich. "Ihr werdet jetzt zur Kasse gebeten. Ich nehme den Anruf an, drücke auf die Taste 'Laut stellen' und - sage nichts, bleibe mucksmäuschen still. Der Sekundenzähler läuft, es werden Gebühren fällig. Das wird euch - in der Toskana oder in Bangladesh - sehr ärgern."

Tatsächlich; auch an dem Tag versuchte der Automat mich zu überrumpeln. Ich drücke die Grüne Taste "Gespräch annehmen" und sofort auch die Taste "Laut", sodaß - in der Gegenstelle - mein Raumklang zu hören ist.

"Alloh" - "Alloh, ören mich?" Im Hintergrund vernehme ich das Gequatsche anderer Callcenter-MitarbeiterInnen.

Nochmals Alloh und Ören mich. Ich wandere mit meinem Mobilteil einfach im Zimmer herum, halte es aus dem Fenster, damit der Bagger auf der Baustelle nebenan ins Mini-Mikrofon schallt, sage selbst nichts und warte darauf, was weiter passiert. Plötzlich ein empörter Aufschrei (vermutlich ein Italiano-Bangladeshi-Schimpfwort) und die Leitung ist stumm.

Nach zehn Minuten dieselbe Prozedur. Den Anruf nehme ich an, stelle laut und bleibe stumm. Der Gebührenzähler tickt, aber nicht bei mir, sondern beim aufdringlichen Callcenter. Es musste den Eindruck gewinnen, dass der Kontakt irgendwo ins Nirwana führt, oder vielleicht sogar zum Mars.

Seitdem ist Ruhe in der Leitung.

Und ich kann ungestört beoachten, ob die Sonne scheint und wohin die Wolken ziehen.