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OXI? NAI?

Immer wieder HalloPosted by Uli Thu, July 16, 2015 09:16:00
OXI? NAI?

Der smarte griechische Politiker Yanis Varoufakis - als Finanzminister 'umstritten' und inzwischen zurückgetreten - hat an deutsche Zeitungsleser appelliert, doch auch mal zu bekennen, ob sie zur verkorksten Euro-Debatte "Ochi"[Nein] oder "Nai"[Ja] sagen. In einem langen Artikel der Wochenzeitung "Die Zeit" (16.7.2015) berichtet er über seine Begegnungen mit dem deutschen Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble und seinen (Varoufakis) Verdacht, dass der (Schäuble) einen finsteren Plan - gegen Griechenland und überhaupt - verfolge.

OK. Als angesprochener Leser will ich in meinem Blog dann mal ganz klar offenlegen, dass ich schon lange über eine geheime private Idee nachdenke, die mir vor vielen, vielen Jahren in Finnland spontan einfiel. Es war 1998 in Helsinki. Die damalige Außenministerin des skandinavischen Landes heißt Tarja Halonen; eine Sozialdemokratin mir roten Haaren, die später sogar zweimal zur Staatspräsidentin gewählt wurde. Können Sie alles googeln.

Dieser Frau saß ich damals also, zusammen mit anderen KollegInnen, zufällig anläßlich eines beruflichen Höflichkeitsbesuchs gegenüber. Sie berichtete aufgekratzt, dass die Finnen gerade den Konvergenztest der Europäischen Union zum Beitritt in die geplante neue Währung bestanden hatten. Finnland! Grundsolide Finanzen, man staunte damals (ich nicht; weil - ich kannte die Finnen schon ein bißchen besser). Als Ostsee-Liebhaber weiß man eben Bescheid.

In eine Redepause der "Roten Tarja" platzte es aus mir heraus: "Na toll, wenn wir den Euro kriegen, dann gehört uns ja auch ein Stückchen von Sizilien und den Sizilianern ein Stückchen vom Nordkap." Erschrockenes Schweigen in der Runde. Tarja blinzelte kurz zu mir herüber - sie hat's bestimmt längst vergessen.

Meine Delegation jedoch war hoch amüsiert und ließ mich einige Tage lang während der Nordischen Reise meine These erklären. Sie ist so schlicht wie nur irgendwas: Jede Währung hat einen volkswirtschaftlichen realen Gegenwert - Land und Besitz, Fabriken und Güter und arbeitende, konsumierende Menschen - das Bruttosozialprodukt, kurz gesagt.

Seit jenem Tag fühle ich mich, was die Euro-Debatte betrifft, finnisch-erleuchtet. Ob es um die Schneehühner in der winterlichen Tundra oder die Rebhühner auf Kreta geht, sie sind gleichermaßen ein Tauschmittel für den Euro. Die einen - die Griechen - haben unerschöpflich viel Sonne und Wärme - damit können sie viele, viele Euros verdienen und Schulden bezahlen. Die anderen - die Finnen - haben unerschöpflich Schnee, Eis und Wasser und weite Wälder als Grundstoff für (Zeitungs-)Papier. Damit können sie viele, viele Euros verdienen und Schulden abtragen. Für uns Deutschen gilt sinngemäß dasselbe.

OXI? NAI? Wo ist das Problem, Herr Varoufakis? smiley